Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Der Senioren-Handwerkerdienst im Mehrgenerationenhaus Bielefeld

Ob tropfende Wasserhähne, defekte Glühbirnen oder laufende Toilettenspülungen – auch kleinere handwerkliche Aufgaben stellen viele Seniorinnen und Senioren im eigenen Haushalt vor eine große Herausforderung. In Bielefeld können sich Betroffene an den Senioren-Handwerkerdienst des Mehrgenerationenhauses Bielefeld wenden. Die Idee: Handwerklich versierte Ehrenamtliche im Rentenalter helfen älteren Menschen mit der Erledigung kleinerer handwerklicher Arbeiten. „Oftmals kommen Handwerkerinnen und Handwerker für kleine Dienstleistungen nicht extra ins Haus. Auch Familie und Freunde sind nicht immer da", erklärt Stefan Zollondz, Koordinator des Mehrgenerationenhauses Bielefeld. „Mit unserem Senioren-Handwerkerdienst haben wir ein niedrigschwelliges Angebot im Bereich Haushaltsnahe Dienstleistungen geschaffen, das seit vielen Jahren stark nachgefragt wird", so Zollondz weiter.

Niedrigschwellig und vor Ort

Über das gesamte Stadtgebiet verteilt rücken derzeit zehn bis zwölf freiwillig engagierte Hobby-Handwerkerinnen und -Handwerker aus, wenn ihre Hilfe gefragt ist. „Wir haben zum Beispiel einen ehemaligen Diakon, der sich leidenschaftlich gern mit dem Werkstoff Holz befasst, sowie einen früheren Hausmeister, der sich auch als Rentner praktisch betätigen möchte," erzählt Tim Nieke, der das Projekt koordiniert. Wer welche Anfragen übernimmt, richtet sich neben der Expertise auch nach dem Stadtteil, in dem die Nutzerinnen und Nutzer wohnen. Das Konzept des Handwerkerdienstes beruht auf dem Prinzip der Nachbarschaftshilfe, also einer standortnahen Unterstützung. Und wie es sich für gute Nachbarn gehört, schauen die geschulten Freiwilligen bei ihren Einsätzen auch mal nach links und rechts. „Oftmals sind es unsere Leute, denen auffällt, dass zum Beispiel Läufer im Flur liegen, die Stolperfallen sind," sagt Stefan Zollondz. Dass sich in solchen Fällen ältere Menschen untereinander unterstützen, hat sich zudem als besonders förderlich erwiesen. „Von Gleichaltrigen nehmen die Leute in der Regel eher Ratschläge an", sagt Zollondz. Das Angebot findet inzwischen aber auch über die Gruppe der Seniorinnen und Senioren hinaus Anklang: „Auch Menschen mit Behinderungen und alleinerziehende Mütter nehmen unser Angebot zunehmend in Anspruch", sagt Projektkoordinator Tim Nieke.

In konstruktiver Zusammenarbeit – Mehrgenerationenhaus und Handwerkskammer

Eine der tragenden Säulen für den Erfolg des Projekts ist die Zusammenarbeit des Mehrgenerationenhauses mit dem örtlichen Handwerk. Schließlich wollte die Einrichtung mit ihren Dienstleistungen nicht in Konkurrenz zu Handwerksbetrieben treten. Deshalb führte das Mehrgenerationenhaus im Vorfeld eine Bedarfsanalyse durch und stimmte sich von Beginn an eng mit der zuständigen Handwerkskammer ab. „Gemeinsam haben wir eine Liste erstellt mit Tätigkeiten, die wir anbieten können," erklärt Stefan Zollondz. Darunter fällt etwa das Austauschen von Steckdosen, die Reparatur von Lichtschaltern oder der Aufbau von Kleinmöbeln. Komplexere Aufgaben wie die Arbeit an Strom- und Gasleitungen bleiben echten Handwerksbetrieben vorbehalten. Diese konstruktive Zusammenarbeit zahlt sich aus: So verschafft der Handwerkerdienst dem Mehrgenerationenhaus im ganzen Stadtgebiet zusätzliche Aufmerksamkeit. Auch für das Handwerk ist das Angebot eine willkommene Ergänzung: „Inzwischen verweisen viele Handwerkerinnen und Handwerker bei kleineren Aufträgen, die sie selbst nicht abdecken können, an uns", sagt Zollondz.