Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

"Die Mehrgenerationenhäuser bergen viele Potenziale"

Dr. Cordula Zabel ist Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Das IAB ist die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Frau Dr. Zabel untersucht insbesondere die Teilnahme an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und deren Wirkungen für Mitglieder von Mehrpersonenhaushalten, insbesondere Alleinerziehende und Frauen mit Partner. Im Interview erläutert sie, wie Angebote zur Förderung der Beschäftigungsfähigkeit wirken und welche Potenziale die Mehrgenerationenhäuser in diesem Bereich haben.

Frau Dr. Zabel, welche Wirkung haben Angebote zur Förderung der Beschäftigungsfähigkeit?

Hierzu liegen uns Ergebnisse aus Allgemeinstudien zur Förderung der Beschäftigungsfähigkeit bei Bezieherinnen und Beziehern von Arbeitslosengeld II vor. Diese haben zum Beispiel gezeigt, dass schulische Trainingsmaßnahmen, die berufliche Fertigkeiten vermitteln, positive Beschäftigungseffekte haben. Dieser positive Effekt war bei langfristigen beruflichen Weiterbildungen noch ausgeprägter. Arbeitsgelegenheiten, die gemeinhin als Ein-Euro-Jobs bekannt sind, konnten die Beschäftigungschancen bei bestimmten Gruppen durchaus stärken – etwa bei Personen, die sehr lange nicht erwerbstätig waren. Die Evaluationsergebnisse lassen vermuten, dass Ein-Euro-Jobs, aber auch Bewerbungstrainings insbesondere für diese Zielgruppen eingesetzt werden sollten, damit sie die Beschäftigungschancen positiv und empirisch messbar beeinflussen können.

Viele der untersuchten Angebotsformen haben auch die Mehrgenerationenhäuser in ihrem Portfolio.

Das ist richtig. Die Mehrgenerationenhäuser waren zwar nicht Teil dieser empirischen Erhebungen, jedoch liegt die Vermutung nahe, dass die Wirkung ihrer Angebote auf die individuellen Beschäftigungschancen sehr ähnlich ist.

Welche weiteren Angebote der Mehrgenerationenhäuser können die Beschäftigungsfähigkeit fördern?

Nehmen wir etwa die Sprachkurse, die viele Mehrgenerationenhäuser anbieten. Sie können bei Menschen mit Migrationshintergrund die Voraussetzungen für eine Beschäftigungsaufnahme schaffen. Darüber hinaus denke ich zum Beispiel an das Freiwillige Engagement, das in den Häusern ermöglicht wird. So können Arbeitssuchende und Arbeitslose neue Berufs- und Tätigkeitsfelder erproben und ihre beruflichen Fähigkeiten ausbauen.

Wie verbessern die Mehrgenerationenhäuser die strukturellen Rahmenbedingungen für eine Beschäftigungsaufnahme?

Hier bergen Mehrgenerationenhäuser viele Potenziale, die empirisch jedoch noch umfassender zu untersuchen sind. Ein Potenzial liegt im Bereich der Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie beziehungsweise Pflege: Mehrgenerationenhäuser können insbesondere durch Kinderbetreuungsangebote in Randzeiten und durch Hilfsangebote bei der Pflege von Angehörigen Personen dabei unterstützen, einer Beschäftigung nachzugehen, eine betriebliche Ausbildung zu machen oder an beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen. Zudem ist es sehr gut vorstellbar, dass auch die Haushaltsnahen Dienstleistungen, die Mehrgenerationenhäuser anbieten oder vermitteln, wichtige Hilfestellungen bei der Ausübung einer Erwerbstätigkeit leisten.

Welche Chancen bietet die Zusammenarbeit von Mehrgenerationenhäusern und Jobcentern?

Ein Ziel dieser Kooperationen ist es, über Angebote in den Mehrgenerationenhäusern Personengruppen zu erreichen, zu denen Jobcenter nur schwer Zugang finden und die sonst eher selten an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik teilnehmen. Zu diesen Personengruppen liegen uns empirische Daten vor. Diese zeigen, dass es sich hierbei vor allem um Frauen (mit Partnern) in Westdeutschland, Ältere, Personen mit ausländischer Nationalität, Geringqualifizierte und Personen mit langer Arbeitslosigkeitsdauer handelt. Wenn diese Personengruppen die Mehrgenerationenhäuser besuchen, um etwa an Begegnungs- oder Freizeitangeboten teilzunehmen, ist es möglich, dass sie erstmals mit zertifizierten Kursen nach dem Sozialgesetzbuch II oder Beratungsangeboten des Jobcenters in Berührung kommen, die unter dem Dach der Häuser stattfinden. Dies kann bereits der erste Schritt in den Arbeitsmarkt sein.