Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Frühstück mit Perspektive

Wie kann Frauen nach einer längeren Erwerbspause der Wiedereinstieg in den Beruf gelingen? Das Mehrgenerationenhaus Felsberg (Hessen) setzt Hand in Hand mit dem örtlichen Jobcenter, der Agentur für Arbeit und einem regionalen Bildungsträger Beratungs- und Informationsangebote um, die den Betroffenen Orientierung, Kontakte sowie Erfahrungen vermitteln.

Duftender Kaffee, knusprige Brötchen und frisches Obst – der Weg zurück ins Arbeitsleben beginnt im Mehrgenerationenhaus Felsberg mit einem reichhaltigen Frühstück. Zehn Frauen unterschiedlichen Alters kamen hier am 11. September 2013 zum ersten „Fraueninformations-frühstück" zusammen. Die Teilnehmerinnen hatten eines gemeinsam: Sie alle planen nach einer längeren Erwerbspause den Wiedereinstieg in das Berufsleben. „Die Idee für ein Informations-angebot nur für Frauen hatten die beiden Beauftragten für Chancengleichheit von der Agentur für Arbeit Bärbel Kesper und Kerstin Wickert-Strippel, die für unseren Landkreis Schwalm-Eder zuständig sind", berichtet die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses Felsberg Sabine Wassmuth. Gemeinsam wurde überlegt, welches Format sich am besten eignet, um die Zielgruppe zu erreichen. Da Bärbel Kesper und Kerstin Wickert-Strippel bereits in einem anderen Mehrgenerationenhaus Bad Wildungen gute Erfahrungen mit einem „Fraueninformationsfrühstück" gemacht hatten, sollte dieses Angebot nun auch im Mehrgenerationenhaus Felsberg realisiert werden.

Gezielte Beratung und offener Austausch

Das gemeinsame Frühstück bot den Rahmen für eine Beratung durch die Vertreterinnen der Agentur für Arbeit und einen offenen Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmenden. „Die beiden Kolleginnen von der Agentur für Arbeit haben viele unterschiedliche Informationen weitergegeben. Dabei ging es um Rechtsfragen und Formalitäten im Umgang mit der öffentlichen Arbeitsverwaltung, aber auch um ganz konkrete Möglichkeiten für den beruflichen Wiedereinstieg", sagt Sabine Wassmuth. Die interessierten Frauen nutzten die Gelegenheit, um deutlich zu machen, was aus ihrer Sicht die größte Hürde bei der Jobsuche ist. „Viele haben Bedenken, ob sie Beruf und Familie überhaupt vereinbaren können", erläutert Sabine Wassmuth. Hier konnte die Koordinatorin den Frauen aufgrund der guten Vernetzung des Mehrgenerationenhauses wertvolle Ratschläge geben. „Da wir uns in Trägerschaft der Stadt Felsberg befinden, konnte ich zum Beispiel berichten, wie die städtischen Kindertagesstätten arbeiten und welche Betreuungsmöglichkeiten das Mehrgenerationenhaus anbietet", so Wassmuth.

„Schritt für Schritt" zurück ins Berufsleben

Neben dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie nahm Sabine Wassmuth noch eine weitere Erkenntnis mit. „Viele Frauen haben sich gefragt: Wer bin ich eigentlich noch auf dem Arbeitsmarkt nach ein paar Jahren Pause und was bin ich überhaupt noch wert? Da ist mir klar geworden, dass ich die Frauen nach dem Frühstück nicht gehen lassen möchte, ohne sie weiter zu begleiten", erklärt die Koordinatorin. Und so ist die Idee für das Folgeprojekt „Schritt für Schritt" für Frauen mit Wiedereinstiegsplänen entstanden. Dafür konnte sie Heike Agha-Seyed-Lotfollah, die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenters Schwalm-Eder, und den Starthilfe Ausbildungsverbund Schwalm-Eder e.V., einen Bildungsträger aus der Region, gewinnen. Beide Partner hatten bereits gemeinsam ein Beratungsangebot für Frauen, die Unterstützung beim beruflichen (Wieder-) Einstieg, benötigen im Landkreis Schwalm-Eder umgesetzt. Diese Erfahrung und die Expertise des Mehrgenerationenhauses wollte Sabine Wassmuth nun bündeln.

Mit „Schritt für Schritt" greift das Mehrgenerationenhaus in einzelnen Seminaren gezielt die Fragen und Bedenken auf, die am häufigsten von den Besucherinnen des „Fraueninformationsfrühstücks" gestellt wurden. Thema des ersten Moduls war, die individuellen Stärken zu reflektieren und wiederzufinden. „Nach dem ‚Fraueninformationsfrühstück‘ war das für mich die logische Konsequenz", sagt Sabine Wassmuth. „Sich die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen bewusst zu machen, ist der erste Schritt in Richtung Arbeitsmarkt." Das zweite Modul ist in Planung. Dann soll es um Fragen der Berufswahl gehen. Hier wurde beim „Fraueninformationsfrühstück" deutlich: Viele Frauen können sich aus den verschiedensten Gründen nicht vorstellen, wieder ihrem alten Beruf nachzugehen.

Das Interesse an den Modulen war und ist groß. Besonders erfreulich: „Der Großteil der Frauen, die an ‚Schritt für Schritt‘ teilnehmen, kommt über das ‚Fraueninformationsfrühstück‘", sagt Sabine Wassmuth. Warum der Plan so gut aufgegangen ist? „Wir sind ein Ort der offenen Begegnung. Das schätzen die Menschen einfach."