Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Ein Ehrenamtsbüro für Eltville am Rhein

Wer sich in Eltville am Rhein freiwillig engagieren möchte oder auf der Suche nach Freiwillig Engagierten ist, kommt nicht am örtlichen Mehrgenerationenhaus und seinem Ehrenamtsbüro vorbei. Unter dem Namen „Ehrenamtliches Engagement für Eltville am Rhein" („E3") sind seit Oktober 2012 zwei Engagement-Lotsen im Einsatz. Sie beraten Interessierte zu möglichen Aufgaben und Einsatzfeldern und führen Angebot und Nachfrage in diesem Bereich zusammen.

Das Herzstück des Freiwilligen Engagements in Eltville am Rhein ist im örtlichen Mehrgenerationenhaus angesiedelt. Hier gibt es seit Dezember 2012 ein Ehrenamtsbüro, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Freiwillig Engagierten der Stadt durch gezielte Vernetzung und Vermittlung zu unterstützen und mehr Menschen für ein Freiwilliges Engagement zu gewinnen. Das Projekt „Ehrenamtliches Engagement für Eltville am Rhein" („E3") wird von den so genannten Engagement-Lotsen Manfred Diehl und Dr. Gerd Sommer geleitet. Beide nahmen im Sommer 2012 an einem Qualifizierungskurs der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Hessen teil, der zum Ziel hatte, engagierte Menschen aus den Kommunen zu ermutigen, ein lokales Ehrenamtsbüro aufzubauen. Nach Abschluss des Kurses entschlossen sich die beiden frisch qualifizierten Engagement-Lotsen, ein lokales Ehrenamtsbüro im Mehrgenerationenhaus Eltville zu etablieren. Am 5. Dezember 2012, dem Internationalen Tag des Ehrenamts, wurde das Ehrenamtsbüro „E3" als Projekt des Mehrgenerationenhauses Eltville offiziell eröffnet. Das „E3"-Büro hat montags und freitags Sprechstunde und steht allen Interessierten offen.

Mit Matchingsoftware und Kennlerngesprächen zum passenden Engagement

Um das Projekt in Gang zu bringen, wurden zwei Fragebögen entwickelt: Einer, um das Interesse an Freiwilligem Engagement auf Seiten der Bürgerinnen und Bürger in Eltville zu ermitteln, und ein zweiter, mit dem der Bedarf an Freiwillig Engagierten bei örtlichen Vereinen und Organisationen abgefragt wird. Diese Fragebögen werden seit Oktober 2012 in der Kommune verteilt. Sie sind zum Beispiel auf der Website der Stadt zu finden und werden im Rathaus ausgelegt. Der Fragebogen für Interessierte dient als Ausgangspunkt der Vermittlung: Hier kann man angeben, in welchem Bereich man sich gerne engagieren will – sei es bei der Arbeit in einem Jugendtreff, mit Seniorinnen und Senioren oder auch in den Bereichen Naturschutz, Kultur oder Sport und Bewegung. „Gesucht werden Menschen in jedem Alter, die in unserer Stadt ehrenamtlich aktiv werden wollen", heißt es im Flyer des Projekts E3. „Den Fragebogen kann man bei uns abgeben oder auch online ausfüllen", erklärt Dr. Gerd Sommer. Die Vereine und Organisationen geben auf ihren Fragebögen an, welche Aktivitäten sie anbieten, und wie viele Freiwillige sie suchen. Die Daten der Interessierten werden dann mithilfe eines computergestützten Matchingsystems mit den Engagementangeboten abgeglichen und zugeordnet. Dr. Gerd Sommer und Manfred Diehl werten die Ergebnisse schließlich aus. Wenn auch die Einschätzung der beiden Engagement-Lotsen positiv ausfällt, wird die Interessentin oder der Interessent zu einem Kennlerngespräch zusammen mit einem Mitglied des Vereins oder der Organisation ins Ehrenamtsbüro im Mehrgenerationenhaus eingeladen. Auf diese Weise sind in den ersten drei Monaten nach Projektbeginn schon zwölf Freiwillig Engagierte an passende Einsatzstellen oder neue Projekte vermittelt worden. „Um sicherzustellen, dass das Engagement nach den Vorstellungen beider Seiten verläuft, werden die neuen Freiwillig Engagierten nach vier bis sechs Wochen noch einmal zu einem Gespräch eingeladen, auch mit der Einsatzstelle wird Rücksprache gehalten", berichtet Dr. Gerd Sommer.

Standortvorteil im Mehrgenerationenhaus

Dass das Ehrenamtsbüro im Mehrgenerationenhaus angesiedelt ist, bringt viele Vorteile. Das Mehrgenerationenhaus versteht sich durch seine Angebote von und für Freiwillig Engagierte als Knotenpunkt des Engagements vor Ort. Außerdem trägt das Projekt E3 zur Vermittlung von Freiwillig Engagierten an das Haus selbst bei. Engagement-Lotse Manfred Diehl ist mit gutem Beispiel vorangegangen und leitet nun den PC-Kurs des Mehrgenerationenhauses, in dem Jugendliche mit Seniorinnen und Senioren zusammenkommen. Bettina Behrens, die Leiterin des Mehrgenerationenhauses Eltville, kann sich das Projekt an keinem anderen Ort vorstellen. „Im Mehrgenerationenhaus ist das Ehrenamtsbüro genau richtig. Hier herrscht eine offene Atmosphäre, die den Interessierten sehr wichtig ist." Die größte Stärke des Projekts sieht Bettina Behrens in der Etablierung einer zentralen Anlaufstelle für Fragen zum Freiwilligen Engagement, die für Interessierte leicht zugänglich ist. Durch die Ansiedlung im Mehrgenerationenhaus bleibt das Angebot niedrigschwellig – und das im wahrsten Sinne des Wortes: „Wenn die beiden Herren ihre Sprechstunden haben, melden sich auch schon mal Menschen, die eigentlich zum Offenen Treff oder zum Spielenachmittag ins Haus gekommen sind", so Behrens weiter. So wirkt sich das informelle Miteinander im Mehrgenerationenhaus positiv auf das Projekt E3 aus.

Generationenübergreifendes Engagement: Jede Altersgruppe ist vertreten

„E3" richtet sich an potenzielle Freiwillige aller Altersgruppen. Das spiegelt sich auch in der bisherigen Resonanz wider – es sind bereits Freiwillig Engagierte im Alter von 18 bis 85 Jahren vermittelt worden. Die Tätigkeiten, die durch das Projekt ermöglicht werden, sind so unterschiedlich wie die Interessen und Ideen der Freiwillig Engagierten – von regelmäßigem Engagement in einem gemeinnützigen Verein bis zur Unterstützung von hilfebedürftigen Privatpersonen. Bei einer erfolgreichen Engagement-Vermittlung, an die sich Dr. Gerd Sommer gerne zurück erinnert, wird die generationenübergreifende Wirkung des Projekts besonders deutlich: „Eine Interessentin ist durch unseren Flyer auf „E3" aufmerksam geworden. Sie ist Anfang 70 und will sich durch Freiwilliges Engagement weiterhin aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligen", erklärt Dr. Gerd Sommer. „E3" vermittelte die Ruheständlerin an einen 15-jährigen Jungen mit Down-Syndrom, den sie nun an einem Nachmittag in der Woche betreut. Die gemeinsame Zeit bringt nicht nur ihm, sondern auch der Engagierten große Freude und schafft zusätzlich für die Familie des Jungen eine Entlastung. „Da haben sich wirklich zwei gefunden, sie freuen sich immer, wenn wieder eine Woche herum ist, und es wieder Zeit für den gemeinsamen Nachmittag wird", berichtet Dr. Gerd Sommer.

Im Mehrgenerationenhaus Kontakte knüpfen und Engagementmöglichkeiten erweitern

„E3" wird weiter ausgebaut. Diesen Sommer veranstaltet die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen den zweiten Qualifizierungskurs. „Wir hoffen, dass sich weitere Interessierte zu Engagement-Lotsen ausbilden lassen, die dann ab Herbst 2013 als Verstärkung im Ehrenamtsbüro des Mehrgenerationenhauses mitarbeiten können", berichtet Dr. Gerd Sommer. „Außerdem werden wir dieses Jahr gezielt auf weitere Vereine und Organisationen zugehen, um unser Netzwerk auszubauen." Ein großer Vorteil ergibt sich durch die lokale Verankerung des Ehrenamtsbüros im Mehrgenerationenhaus. Seine Besucherinnen und Besucher kommen aus den unterschiedlichsten beruflichen Umfeldern und gesellschaftlichen Bereichen. Daraus können sich sowohl für Einsatzorte als auch für Interessierte leichter neue Engagementmöglichkeiten ergeben: „Außerdem kennen wir uns in der Stadt und bei den Organisationen gut aus. Deshalb ist es für uns einfacher, die passenden Engagementmöglichkeiten für unsere Interessentinnen und Interessenten zu finden", so Dr. Gerd Sommer.