Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Von der Brache zur grünen Oase: der "Interkulturelle Nachbarschaftsgarten" Neunkirchen

Seit letztem Jahr entsteht in Neunkirchen der „Interkulturelle Nachbarschaftsgarten". Was genau verbirgt sich dahinter?

Janine Wack: Ziel des Gartenprojekts ist es, einen neuen halböffentlichen Raum für generationen- und kulturübergreifende Begegnungen zu schaffen. Dazu wird seit letztem Jahr eine brachliegende Fläche von 1.100m2 in einem innerstädtischen Wohngebiet unweit des Mehrgenerationenhauses in eine kleine grüne Oase verwandelt. Viele Freiwillig Engagierte aus dem Mehrgenerationenhaus und der Stadt haben uns tatkräftig dabei unterstützt, den Garten mit aufzubauen und zu gestalten. Inzwischen ist der Garten in 18 Parzellen unterteilt, die von verschiedenen Nutzerinnen und Nutzern eigenverantwortlich bewirtschaftet werden. Die Besonderheit im „Interkulturellen Nachbarschaftsgarten" liegt darin, dass zwischen den einzelnen Parzellen keine Zäune vorhanden sind - alles ist offen. Zudem haben wir unter Mitarbeit der Gartennutzerinnen und -nutzer sowie Freiwillig Engagierter einen Gemeinschaftsplatz mit Sitzgelegenheiten, einem Gartenhaus und einer Grillstelle eingerichtet, der jeder und jedem zur Verfügung steht.

Wie entstand die Idee zu dem Kooperationsprojekt zwischen der Stadt und dem Mehrgenerationenhaus Neunkirchen?

Wolfgang Hrasky: Im Zuge eines Workshops tauschte sich das Stadtteilbüro im Herbst 2009 mit verschiedenen Akteuren in der Stadt zum Thema „Familienfreundliches Neunkirchen 2020" aus und entwickelte Ideen dazu. Dabei wurde von der Vorsitzenden einer Bürgerinitiative ein solches Gartenprojekt vorgeschlagen. In der Folge wurden die Ideen konkretisiert, Kalkulationen aufgestellt und Örtlichkeiten zur Umsetzung gesucht. Nach einiger Zeit wurde im Mehrgenerationenhaus Neunkirchen ein geeigneter Partner gefunden, mit dem die Idee des Gartens realisiert werden sollte. Die Idee passt sehr gut ins Portfolio des Hauses. Seit letztem Jahr entsteht nun der „Interkulturelle Nachbarschaftsgarten" und erweist sich bisher als sehr erfolgreiches Kooperationsprojekt zwischen Stadt, Mehrgenerationenhaus und der Bevölkerung.

Welche Rolle nimmt das Mehrgenerationenhaus im Projekt ein?

Janine Wack: Das Mehrgenerationenhaus tritt als Träger des Projekts auf und ist federführend verantwortlich für den Garten. Wir sind Ansprechpartner für alle Anwesenden und übernehmen eine Koordinierungsfunktion. Für ein gutes Zusammenleben und die gemeinsame Pflege des Gartens ist die Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer grundlegend. Dazu wurden etwa eine Nutzungsvereinbarung und eine Gartenordnung gemeinschaftlich von allen Nutzenden und dem Mehrgenerationenhaus erarbeitet. Die Bewirtschaftung des Gartens liegt bei denjenigen, die die Parzellen nutzen, wobei auch das Mehrgenerationenhaus eine eigene Parzelle bewirtschaftet.

Wie verläuft die Zusammenarbeit zwischen Mehrgenerationenhaus und Stadt?

Wolfgang Hrasky: Das Mehrgenerationenhaus arbeitet ganz ähnlich wie unser Stadtteilbüro: Wir sind beide auf Vielfalt und Flexibilität ausgelegt. Daher ist die Zusammenarbeit mit dem Mehrgenerationenhaus sehr einfach und unkompliziert, vieles funktioniert auf Zuruf. Unsere Zusammenarbeit im Projekt ist quasi eine Umsetzung gemeinsamer Ideen. Unser gemeinsames, übergeordnetes Ziel ist es, das Quartier und die Menschen, die dort leben, voranzubringen.

Wer sind die Nutzerinnen und Nutzer des Nachbarschaftsgartens?

Janine Wack: Vor allem Anwohnerinnen und Anwohner aus dem unmittelbaren Wohnumfeld nutzen den Garten. Das sind Menschen ganz unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft: Momentan sind Menschen aus sechs verschiedenen Nationen – Deutschland, Vietnam, Dominikanische Republik, Türkei, Italien und Marokko – am Gartenprojekt beteiligt. Das Besondere dabei ist, dass diese Menschen bisher wenige oder gar keine Berührungspunkte im Alltag hatten. Im Projekt erkennen sie nun Gemeinsamkeiten wie das Gärtnern oder das geteilte Interesse an der Natur und an Selbstorganisation. Der „Interkulturelle Nachbarschaftsgarten" ist ein Ort, an dem die Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels, darunter Alleinstehende, Familien mit Kindern und Seniorinnen und Senioren, zusammenkommen und in Kontakt treten. Der Garten fördert damit nicht zuletzt das generationenübergreifende Miteinander: Die Altersspanne der Nutzerinnen und Nutzer reicht von vier bis 76 Jahren.

Welche Entwicklungen sind zukünftig denkbar?

Wolfgang Hrasky: Uns freut es sehr, dass mittlerweile schon sehr viele Ideen zur Weiterentwicklung des Gartens vorhanden sind und diese nicht nur von Seiten des Mehrgenerationenhauses oder des Stadtteilbüros kommen, sondern auch von den Anwohnerinnen und Anwohnern selbst. Sie machen sich eigene Gedanken und Vorschläge, wie der Garten noch besser genutzt werden kann. Konkrete Ideen sind beispielsweise, die Gartenanlage für Feste während des Jahres zu nutzen. Außerdem könnte das bereits bestehende, freiwillig organisierte Projekt „Pflanzentauschbörse" von einem Marktplatz in den „Interkulturellen Nachbarschaftsgarten" verlagert werden.

Wie profitieren das Mehrgenerationenhaus und die Stadt vom Nachbarschaftsgarten?

Janine Wack: Das Projekt hat die Arbeit im Mehrgenerationenhaus Neunkirchen bereits ganz praktisch vorangebracht, da wir das Verhältnis zur Nachbarschaft weiter intensivieren konnten. Von Vorteil ist zudem die Öffentlichkeit, die uns das Projekt verschafft hat. Der Garten ist häufig Gesprächsthema in der Stadt und der Region. Und es darf auch nicht vergessen werden, dass wir aus der Bewirtschaftung der Parzelle auch für unsere tägliche Arbeit einen Gewinn ziehen, da wir in unserem Mehrgenerationenhaus keinen eigenen Außenbereich haben. Im „Interkulturellen Nachbarschaftsgarten" ist nun eine weitere Plattform für Projekte mit Kindern und zur Förderung des Freiwilligen Engagements entstanden.

Wolfgang Hrasky: Auch die Stadt profitiert vielseitig vom „Interkulturellen Nachbarschaftsgarten", da dieser viele gesellschaftspolitische Handlungsfelder umfasst. So führt das Projekt unter anderem zu einer Imageverbesserung der Stadt, da das Umfeld für die Anwohnerinnen und Anwohner erheblich verbessert wurde. Das vorherige Brachgrundstück wurde von den Bewohnerinnen und Bewohnern früher als „Hundetoilette und Mülldeponie" genutzt und erforderte zusätzliche Arbeit, die nun durch die Umsetzung des Gartens nicht mehr anfällt. Zudem erleben wir dort eine gelebte Integration: Hier werden interkulturelle Sozialkontakte geknüpft und gefördert. Diese Entwicklungen sind für die Stadt und die Menschen, die hier leben, sehr wichtig!