Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

der französische Schriftsteller Victor Hugo hat einmal gesagt: „Die Zukunft hat viele Namen: Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Denker und Mutigen die Chance." Die Chancen zu sehen statt das Unbekannte zu fürchten und das scheinbar Unerreichbare erreichbar zu machen, darauf kommt es gerade in gesellschaftlichen Umbruchsituationen an. Die steigende Zahl älterer Menschen, die höhere Lebenserwartung und der zunehmende Anteil von Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund machen das Zusammenleben in Zeiten des demografischen Wandels vielfältiger und erfordern in vielerlei Hinsicht Veränderungen. Die bundesweit 450 Mehrgenerationenhäuser tragen dazu bei, dass Menschen diese Veränderungen als Chance sehen: Sie bieten Raum für Austausch und gegenseitige Unterstützung zwischen Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft und zeigen auf diese Weise, wie bereichernd Vielfalt für den einzelnen und für uns alle sein kann.

Ein Beispiel ist das Mehrgenerationshaus im württembergischen Mühlacker, wo sich Schülerinnen und Schüler der Region zweieinhalb Monate lang mit den Themen Demenz und Pflege auseinander setzen, indem sie sich einmal wöchentlich mit Seniorinnen und Senioren eines Pflegezentrums treffen. Bei Spaziergängen, beim gemeinsamen Kochen oder in Gesprächen lernen die Achtklässlerinnen und Achtklässler den Umgang mit den Pflegebedürftigen kennen. Dadurch stärken sie ihre sozialen Kompetenzen und erhalten Einblicke in den Pflegeberuf, während die Älteren ihr Erfahrungswissen in der gemeinsamen Zeit weiter geben können. 

Ein anderes Beispiel ist das Mehrgenerationenhaus Lahr in Baden-Württemberg, wo  sich Engagierte zu einem Dolmetscherpool zusammengefunden haben. Die ehrenamtlichen Übersetzerinnen und Übersetzer begleiten Menschen mit Sprachbarrieren bei Behördengängen, Elternabenden oder Arztbesuchen und fördern dadurch ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. So entsteht eine Willkommenskultur, die die Voraussetzung dafür ist, dass Zuwanderung Deutschland kulturell bereichern und auch wirtschaftlich stärken kann.

Diese Beispiele zeigen, dass das wechselseitige Geben und Nehmen in Mehrgenerationenhäusern ein Gewinn für alle ist. Sie sind Orte des Voneinander-Lernens mit hoher Integrationskraft. Menschen, die sie besuchen und ihre Angebote wahrnehmen, helfen anderen und gestalten das eigene Lebensumfeld. Auf diese Weise tragen Mehrgenerationenhäuser dazu bei, die Chancen des demografischen Wandels zu sehen und zu nutzen.

Ihre

Dr. Kristina Schröder

Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend