Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Eine Anlaufstelle für Arbeitssuchende in Annaberg-Buchholz

Bewerbercoaching, PC-Kurse und Fortbildungen im Bereich der Alltags- und Pflegebegleitung: Das Mehrgenerationenhaus Annaberg-Buchholz unterstützt mit seinen Beratungs- und Weiterbildungsangeboten die berufliche (Wieder-)Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Dabei ergänzt es gezielt die beschäftigungsfördernden Angebote seines Trägers und sorgt für eine kontinuierliche Betreuung und Unterstützung der Arbeitssuchenden.

Franziska Hessenkemper ist gelernte Wirtschaftsassistentin. Aufgrund gesundheitlicher Probleme steht sie aber seit einigen Jahren nicht mehr im Berufsleben, sondern bezieht Erwerbsminderungsrente. Doch damit will sie sich nicht zufriedengeben. Im Gegenteil: Sie sucht nach einem Weg, ihren Lebensunterhalt wieder selbst zu bestreiten.

Dieser Weg führte sie zum Mehrgenerationenhaus Annaberg-Buchholz in Sachsen. Hier bringt sich Franziska Hessenkemper seit über einem Jahr als Freiwillig Engagierte ein und hilft unter anderem mehrmals in der Woche im Büro des Hauses aus. Die 37-Jährige erkennt in ihrem Engagement eine große Chance: „Im Mehrgenerationenhaus bekomme ich Gelegenheit, mich ohne Leistungsdruck zu erproben. Ich kann meine persönlichen und beruflichen Belastungsgrenzen ausloten und langsam ausdehnen", sagt sie. Um sich weiter auf die Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt vorzubereiten, nutzt Franziska Hessenkemper auch die Beratungs- und Bildungsangebote des Mehrgenerationenhauses. Dazu zählen PC-Kurse und ein Bewerbercoaching. Geleitet werden beide Angebote von Mandy Schreiter, der Koordinatorin des Hauses. „Die kostenfreien PC-Kurse finden in Gruppen oder individuell statt. Die Kursinhalte orientieren sich am Bedarf der Teilnehmenden", berichtet sie. Im Bewerbercoaching werden Hausbesucherinnen und –besucher jeden Alters, die in den Arbeitsmarkt einsteigen oder zurückkehren möchten, individuell und in ungezwungener Atmosphäre beraten: „Wir prüfen die bisherige Erwerbsbiografie, ermitteln die Kompetenzen und Qualifikationen der Arbeitssuchenden und tauschen uns über ihre persönlichen Berufsvorstellungen aus", erzählt Mandy Schreiter. Doch damit nicht genug: Die Hauskoordinatorin gibt auch Tipps zu den Bewerbungsunterlagen, zu Initiativbewerbungen sowie zur Stellensuche in Zeitungen und Internet.

Von der Qualität der Beratungs- und Weiterbildungsangebote des Mehrgenerationenhauses sind auch das örtliche Jobcenter und die lokale Agentur für Arbeit überzeugt. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Ämter kennen die Angebote des Hauses genau und motivieren viele ihrer Klienten, daran teilzunehmen", sagt Martin Nieher vom Träger des Mehrgenerationenhauses Annaberg-Buchholz, dem Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland (CJD).

Kontinuität der Betreuung sicherstellen

Nicht nur über das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit finden viele Arbeitssuchende ihren Weg in das Mehrgenerationenhaus. Oftmals bringt sie ein beschäftigungsförderndes Projekt des Trägers mit der Einrichtung in Kontakt: „Das CJD und das Mehrgenerationenhauses sind in einem Gebäude untergebracht. Dadurch lernen Personen, die an einem Projekt des CJD teilnehmen, automatisch das Mehrgenerationenhaus und seine Angebote kennen", sagt Martin Nieher, der als Pädagogischer Leiter im CJD-Standort Annaberg angestellt ist. Darin sieht er einen großen Vorteil, wenn es darum geht, die Kontinuität der Betreuung von Arbeitssuchenden vor Ort sicherzustellen: „Personen, die aus einem CJD-Projekt ausscheiden, ohne eine Arbeitsstelle gefunden zu haben, werden nicht allein gelassen. Im Mehrgenerationenhaus können sie sich weiter beraten lassen und fortbilden. Dort können sie sich engagieren, ihre sozialen Kompetenzen ausbauen und Netzwerke knüpfen."

Über ein Angebot des CJD kam auch die 48-jährige Simone Scholz mit dem Mehrgenerationenhaus in Berührung. Die gelernte Montageschlosserin beteiligt sich derzeit an einem CJD-Projekt zur Beschäftigungsförderung, das sich an Personen richtet, die zwar eine abgeschlossene Berufsausbildung haben, aber gesundheitlich eingeschränkt und langzeitarbeitslos sind. Das CJD unterstützt die Projektteilnehmenden bei der beruflichen Orientierung und bereitet sie auf ein Betriebspraktikum vor.

Simone Scholz hat ihr Praktikum in einem Seniorenheim absolviert. Für sie war der Aufenthalt dort sehr bereichernd. Danach stand für die 48-Jährige fest: Sie möchte beruflich mit Seniorinnen und Senioren zusammenarbeiten. Um ihre Kenntnisse in diesem Bereich weiter zu vertiefen und ihre Chancen auf den ersten Arbeitsmarkt zu verbessern, hat sie sich für die Alltags- und Pflegebegleitung im Mehrgenerationenhaus angemeldet. Bei diesem Angebot begleiten Freiwillig Engagierte, die oftmals arbeitssuchend sind, pflegebedürftige und nichtpflegebedürftige Seniorinnen und Senioren im Alltag. Vorbereitet und unterstützt werden die Freiwilligen durch Schulungen und Vorträge, die Hausmitarbeiterinnen und –mitarbeiter oder Expertinnen und Experten von außerhalb im Mehrgenerationenhaus halten. Dabei werden verschiedene Aspekte des Alters und der Pflege behandelt, darunter die Themen Demenz, Pflegestufen, Sturzprävention und Hygiene. Zudem kommen die Freiwillig Engagierten der Alltags- und Pflegebegleitung mindestens einmal im Monat im Mehrgenerationenhaus zum Erfahrungsaustausch zusammen.

Alltags- und Pflegebegleitung: Ein Sprungbrett in den Beruf

Durch ihr Engagement kommen viele Alltags- und Pflegebegleiterinnen und -begleiter einer Festanstellung näher: „Wenn wir feststellen, dass die Freiwilligen in ihrer Tätigkeit aufgehen, dass sie mental und körperlich für einen Beruf im Bereich Pflege oder Seniorenbetreuung geeignet sind, nehmen wir Kontakt zum Jobcenter auf und regen dort eine entsprechende Ausbildung oder den Besuch weiterer Qualifizierungskurse an", sagt Martin Nieher.

Petra Haubold, die bereits Erfahrungen im Bereich der Pflege und der Betreuung von Seniorinnen und Senioren sammeln konnte, hat auch dank ihres Einsatzes als Alltags- und Pflegebegleiterin eine neue Anstellung gefunden. Seit 2011 ist die heute 53-Jährige freiwillig im Mehrgenerationenhaus tätig. Bei einem Praxistag im Altenpflegeheim Sankt Anna hinterließ sie einen so guten Eindruck, dass ihr die Einrichtung eine geringfügige Beschäftigung anbot. Petra Haubold nahm das Angebot an, zudem wurde ihr jüngst eine Vollzeitstelle als Seniorenbetreuerin in Aussicht gestellt. Sie ist davon überzeugt: Ohne ihr Engagement im Mehrgenerationenhaus wäre dies nicht möglich gewesen: „Meine Tätigkeit dort hat mein Selbstbewusstsein und mein Selbstwertgefühl gestärkt. Auch die Lehrgänge haben mir viel gebracht. Dass ich jetzt eine Chance auf eine Festanstellung habe, macht mich sehr glücklich."