Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Geschichte aus dem Mehrgenerationenhaus Schmalkalden

 Im thüringischen Schmalkalden hat es sich bewährt, die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu beteiligen, wenn etwas in der Stadt verändert werden soll. Aber wie schafft man es eigentlich, die Menschen zu befragen und zu beteiligen, wenn es um die Gestaltung des Quartiers geht?

Seit 2014 setzen sich etwa einmal im Monat Schmalkaldener Bürgerinnen und Bürger mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt und des Landkreises, Menschen aus Verbänden und Bildungseinrichtungen, den Wohnbaugesellschaften, Mitarbeitenden des Jugendamtes und des Mehrgenerationenhauses am Runden Tisch zusammen. Eine gute Vernetzung ist wichtig, um möglichst schnell mitzubekommen, was den Menschen in der Stadt wichtig ist, was sie stört und was sie ändern möchten.

„Wir vom Mehrgenerationenhaus nehmen bei diesen Treffen meist die Moderationsrolle ein. Da wir Teil des Netzwerks „Engagierte Stadt" sind, haben wir entsprechende Schulungen und Beratungen erhalten, um solche Dialogprozesse gut begleiten zu können", berichtet Tamara Wedel, die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses.

Wann und warum beruft man einen Runden Tisch ein?

In Schmalkalden gab es zwei Gründe, die einen Runden Tisch notwendig gemacht haben: Der erste Grund lag darin, dass sich insbesondere in der Flüchtlingsarbeit eine parallele Ehrenamtsstruktur entwickelt hatte, in der die unterschiedlichen Angebote kaum aufeinander abgestimmt waren.

Der zweite Grund, war der Stadtteil Walperloh. Das Quartier gilt als sehr schwierig und als unbeliebte Wohngegend. Die Stadt wollte hier etwas verändern und den Stadtteil wieder lebenswert machen.

„Damit man dies schafft, muss man wissen, woran es mangelt und was gebraucht wird", erzählt Tamara Wedel. Die Fachhochschule Erfurt wurde beauftragt, eine Angebots- und Bedarfsanalyse im Stadtteil Walperloh durchzuführen. Etwas erschreckend für alle Beteiligten war: Die Befragung zeigte, dass die Menschen im Walperloh das Gefühl haben, dass sie nicht Teil der Stadt sind. Dies galt offenbar auch umgekehrt. Die anderen Schmalkaldenerinnen und Schmalkaldener verstanden Walperloh auch nicht als Teil ihrer Stadt, sondern sprachen von „denen da oben", wenn sie die Menschen im etwas höher gelegenen Walperloh meinten. Bei der Befragung zeigte sich aber auch, dass der Stadtteil weit weniger einheitlich ist als gedacht. Eine bunte Mischung verschiedenster Altersgruppen, Interessen und Bedürfnisse sowie Einkommensstrukturen und Beschäftigungsformen machen die Struktur des Stadtteils aus.

Problem erkannt – und nun?

„Die unterschiedlichen Lebenssituationen, in denen sich die Menschen im Walperloh befinden, machen ja auch das große Potenzial aus, das hier vorliegt", sagt Jana Brill vom Mehrgenerationenhaus. „Um daraus auch etwas Konstruktives für die Stadtentwicklung zu ziehen, muss man die Menschen anhören. Man muss die Leute fragen ‚Was stört Dich?' ‚Was soll sich ändern?' und ‚Was kannst Du dazu beitragen?', wenn man wirkliche Verbesserungen bewirken will", so Brill weiter.

Ein Beispiel dafür ist der Prozess der Renovierung des Jugendhauses im vergangenen Jahr. Die Jugendlichen wurden zunächst gefragt, wie genau ihr Haus aussehen soll, bevor es an die konkrete Umsetzung ging. Als dann die Renovierung anstand, waren sofort einige bereit anzupacken und die Renovierungsarbeiten durchzuführen. „Wenn einige loslegen und etwas bewirken, spricht sich das schnell rum", erzählt Jana Brill. „Der Wille etwas zu verändern und die Erfahrung, dass das auch geht, sind einfach ansteckend. Es fanden sich dann immer mehr Jugendliche, die mithelfen wollten."

Im selbst gestalteten Jugendhaus kommt es auch nicht mehr zu Schmierereien und alle passen auf, dass dieser gemeinsame Ort schön und sauber bleibt.

Vom Zuhören zum Machen

Die Erfahrungen in Schmalkalden haben gezeigt, dass die gemeinsamen Entscheidungen auch die Basis für das gemeinsame Handeln sind.

Das Stadtteilfest im Walperloh, das am 6. Juni 2015 stattfand, ist ein weiterer Beweis dafür, dass Menschen gemeinsam etwas verändern und bewirken können. Alteingesessene Walperloherinnen und Walperloher haben gemeinsam mit Flüchtlingen und der Unterstützung des Mehrgenerationenhauses das Fest ausgerichtet. Die vielen Gäste kamen aus allen Schmalkaldener Stadtteilen. Walperloh und der Rest der Stadt sind an diesem Tag wieder ein Stückchen näher zusammengerückt.