Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Das Bundesprogramm aus Sicht der Kommune

Von Ursula Krickl, Deutscher Städte- und Gemeindebund

Worin besteht Ihre Aufgabe beim Deutschen Städte- und Gemeindebund?

Als Referatsleiterin unter anderem für Kinder-, Jugend- und Familienpolitik vertrete ich die kommunalen Interessen von knapp 10.000 kreisangehörigen Städten und Gemeinden Deutschlands auf Bundes- und Europaebene. Zudem stehe ich als stellvertretende Pressesprecherin den Medien für kommunalrelevante Fragestellungen zur Verfügung.

Inwiefern haben Sie dabei mit den Mehrgenerationenhäusern zu tun? Haben Sie die zehnjährige Entwicklung der Mehrgenerationenhäuser verfolgt?

Unser Verband verfolgt die Programme „Mehrgenerationenhäuser“ kontinuierlich von Beginn an. Als Mitglied der Kooperationsgruppe im Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser seit der ersten Sitzung ist es umso erfreulicher, welch positive Entwicklung und Akzeptanz das Aktionsprogramm auf allen Ebenen erzielt. Die kommunalen Spitzenverbände haben von Beginn an das Potential der Mehrgenerationenhäuser für die örtliche Gemeinschaft gesehen und das Aktionsprogramm stets positiv und konstruktiv begleitet. Dabei war und ist uns besonders wichtig, dass die Mehrgenerationenhäuser eine größtmögliche Flexibilität genießen, denn die Angebotsstruktur in verschiedenen Feldern der Daseinsvorsorge muss sich in die örtlichen Gegebenheiten einfügen lassen.

Gerade auch durch die stetige Weiterentwicklung der Ausrichtungen eine stärkere Einbindung der Kommunen im Programm, was sicherlich zu Beginn nicht ganz so der Fall war, haben sich die Mehrgenerationenhäuser speziell in ländlichen Regionen zu einem unverzichtbaren Baustein einer engagementfördernden Infrastruktur entwickelt. Auch darf nicht verschwiegen werden, dass dies vielerorts ohne das finanzielle Engagement des Bundes in dieser Form nicht möglich wäre.

Welche Vorteile bringt ein Mehrgenerationenhaus für die Kommune?

Die Mehrgenerationenhäuser leisten mit ihren Angeboten eine wichtige gesellschaftspolitische Arbeit und tragen dazu bei, das generationenübergreifende Miteinander und Füreinander in der Gemeinschaft zu verankern. Sie sind dabei viel mehr als nur ein Treffpunkt. Nachbarschaftshilfe, Selbsthilfe, aber auch professionelle Dienste zusammen schaffen ein umfangreiches Angebot für Jung und Alt. Sie erweisen sich zunehmend als Motor für bürgerschaftliches Engagement und sind ein wichtiger Beleg dafür, wie bei sozialen Diensten eine ausgewogene Balance zwischen Festangestellten und Bürgerinnen und Bürgern, die Mitmenschen helfen, aussehen kann. Die Besonderheit der Mehrgenerationenhäuser liegt in der Bündelung verschiedener Angebote für alle Generationen.

Ganz besonders ist mir das Mehrgenerationenhaus Dorflinde Langenfeld in Erinnerung: Ein kommunales Mehrgenerationenhaus in einer kleinen Gemeinde in Bayern, welches sich in beispielhafter Weise mit Lösungsansätzen zu den Problemen des demografischen Wandels beschäftigt.

Das neue Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus zielt darauf ab, die Zusammenarbeit von Kommunen und Mehrgenerationenhäusern noch stärker zu verzahnen. Welche Entlastungen erwarten Sie hierdurch für die Kommunen und welche demografischen und sozialräumlichen Entwicklungen können hierdurch angestoßen werden?

Leitlinie muss sein, es den Häusern zu ermöglichen, sich in die regionale und örtliche Angebotsstruktur einzupassen und die Planungen der Kommunen im Hinblick auf eine soziale Infrastruktur aufzugreifen. Mehrgenerationenhäuser ermöglichen den Kommunen, besser auf die Herausforderungen des demografischen Wandels vorbereitet zu sein, weil sie Bürgerinnen und Bürger aktiv einbinden und insbesondere die Ziele der kommunalen Sozial-, Familien- und Seniorenpolitik unterstützen.

Von daher ist es richtig und wichtig, dass die Neukonzeption auf eine stärkere kommunale Verankerung der Mehrgenerationenhäuser und die weitere Stärkung der Kommune in ihrer Koordinierungsfunktion zur Bewältigung des demografischen Wandels ausgerichtet ist. Durch niedrigschwellige Angebote der Mehrgenerationenhäuser beispielsweise in den Bereichen Alter und Pflege können Bürgerinnen und Bürger länger in ihrem gewohnten Umfeld verbleiben, sodass eine mögliche Heimunterbringung für ältere Menschen verzögert werden kann. Dadurch profitiert auch die Kommune, da mögliche Kosten im Rahmen der Hilfe zur Pflege erst später anfallen.

Wie sieht aus Ihrer Sicht die optimale Zusammenarbeit zwischen Mehrgenerationenhaus und Kommune aus?

Sicherlich erleichtert eine kommunale Trägerschaft des Mehrgenerationenhauses einen reibungslosen Austausch mit der Kommune. Mehrgenerationenhäuser sollten inhaltlich sowie konzeptionell mit den politischen Entscheidungsträgern und Verwaltungen verbindlich zusammenarbeiten. Idealerweise arbeiten Kommune und Mehrgenerationenhaus Hand in Hand daran, die Lebensbedingungen der Bürgerinnen und Bürger bedarfsgerecht und nachhaltig zu verbessern. MGH-Koordinatorinnen und -Koordinatoren sollten in regelmäßigen Abstimmungsgesprächen mit der Bürgermeisterin und dem Bürgermeister oder den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung zusammenkommen, um die aktuellen Aufgaben zu besprechen. Eine enge Zusammenarbeit und Kooperation sorgt dafür, dass die Angebote des Mehrgenerationenhauses zum Bedarf vor Ort passen.

Wie können aus Ihrer Sicht Kommunen die Mehrgenerationenhäuser fruchtbar in ihre Bemühungen einbinden, in der Kommune den demografischen Wandel positiv zu gestalten und den sozialen Zusammenhalt zu stärken?

Der demografische Wandel zählt neben der Integration und Infrastrukturinvestitionen zu den zentralen Herausforderungen der Kommunalpolitik in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Er berührt nahezu alle kommunalen Politikfelder, sei es die Familienpolitik, die Gestaltung des Älterwerdens in der Kommune, die Bildungspolitik, bis hin zur integrativen Stadtpolitik. Der demografische Wandel führt zu einer veränderten Nachfrage nach öffentlichen Dienstleistungen und kommunaler Infrastruktur. Die Mehrgenerationenhäuser können hier in besonderem Maße zur Gestaltung des demografischen Wandels beitragen. Sie bilden für alle Kooperationspartner sowie für die Menschen in der Region eine kompetente Anlaufstelle. Hier ermöglichen sie durch professionelle und ehrenamtliche Betreuungsstrukturen vom Kleinkind bis ins hohe Alter die Verknüpfung von Beruf und Familie und verbessern die Lebensqualität in der Region nachhaltig.

Was können Mehrgenerationenhäuser Ihrer Ansicht nach besser als andere Institutionen?

Der größte Vorteil ist, dass die Mehrgenerationenhäuser die unterschiedlichsten Aufgaben quasi unter einem Dach bündeln und mit ihrer breiten Angebotsstruktur auf die verschiedensten Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger einwirken können. Durch Zusammenarbeit mit vielen Kooperationspartnern können dadurch die Angebote im kommunalen Raum übersichtlicher gestaltet werden, besser koordiniert und aufeinander abgestimmt werden. Mehrgenerationenhäuser finden auf die jeweiligen unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Bedürfnissen einer Kommune passgenaue Antworten.

Ein Abschlusssatz: Was wünschen Sie den Mehrgenerationenhäusern für ihre zukünftige Arbeit?

Ein weiter mit der hervorragenden Arbeit, die Immenses für und mit den Menschen in ihren Kommunen bewegt, und dass sich die Mehrgenerationenhäuser auch künftig für die Kommunen unentbehrlich machen!