Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Neuausrichtung und geplante Begleitung der Mehrgenerationenhäuser

Interview mit Paloma Miersch, Referatsleiterin im Bundesfamilienministerium

Frau Miersch, im Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus werden die Häuser in ihrer integrativen Rolle in den Kommunen gestärkt. Worin äußert sich das bei der Zusammenarbeit zwischen Kommune und Mehrgenerationenhaus vor Ort?

Der demografische Wandel stellt Kommunen vor große und sehr unterschiedliche Herausforderungen. Sie müssen zugeschnitten auf die eigenen demografischen Entwicklungen strategisch langfristige und passende Angebote für ihre Bürgerinnen und Bürger entwickeln. Die Mehrgenerationenhäuser bilden einen wichtigen Baustein dieser Angebote. Mit dem Start des Bundesprogramms können sie sich noch flexibler auf die Bedarfe ihres Wirkungsgebietes ausrichten und stimmen sich dabei eng mit der Kommune ab.

Die Mehrgenerationenhäuser werden ab 2017 in sogenannte „Demografietypen“ eingeteilt. Welchen Nutzen bringt das den Häusern, und was verspricht sich das Bundesfamilienministerium davon?

Durch die Einteilung der Häuser in demografische Profilgruppen versprechen wir uns sowohl einen Nutzen für die Häuser als auch für deren fachlich-inhaltliche Begleitung auf Bundesebene. Mehrgenerationenhäuser in derselben demografischen Profilgruppe können sich durch die Einteilung besser untereinander austauschen und von Best-Practice-Beispielen lernen. Hier können Synergieeffekte greifen.

Zudem können das Bundesfamilienministerium und dessen Programmpartner die Häuser in den jeweiligen Demografietypen passgenauer begleiten und zielgerichtete Anregungen und Praxishilfen einspeisen.

Im Jahr 2017 soll beispielsweise für alle Mehrgenerationenhäuser eine Telefonkonferenz pro Demografietyp durchgeführt werden, in der inhaltliche Inputs zu den jeweils demografiespezifischen Anforderungen und Bedarfen vermittelt werden. Um auch zwischen den spezifischen Demografietypen miteinander und voneinander lernen zu können, sind später auch Tagungen von Mehrgenerationenhäusern aus verschiedenen, sich ergänzenden Demografietypen geplant.

Halten Sie an der bisherigen regionalen Vernetzung zwischen den Mehrgenerationenhäusern fest?

Der Austausch zwischen den Mehrgenerationenhäusern auf regionaler Ebene, beispielsweise im Rahmen der bisherigen Moderationskreise oder auch Ländernetzwerke soll – neben der geplanten neuen Struktur der Demografietypen – unbedingt erhalten bleiben. Die Moderationskreise haben sich in der Vergangenheit zum inhaltlich-fachlichen Austausch zwischen den Häusern sehr bewährt – und Bewährtes wollen wir auf keinen Fall über Bord werfen! Zukünftig sollen regionaler Austausch und Vernetzung aber stärker als bisher in der Eigenverantwortung der Häuser selbst liegen.

Vernetzung wird ja vor allem für die neuen Mehrgenerationenhäuser eine wichtige Aufgabe sein, um schnell den „Anschluss“ im Programm zu finden. Seit dem 01.01.2017 werden mehr als 100 neue Häuser gefördert. Wie wird ihnen ein leichter Einstieg in das Programm bereitet?

Der regionale Austausch kommt insbesondere den neuen Mehrgenerationenhäusern zugute. Wir möchten die „alten Hasen“ unter den Häusern bitten, Kontakt zu ihren neuen Mitstreitern herzustellen und diese in der Anfangsphase zu unterstützen.

Darüber hinaus werden wir als Bundesfamilienministerium mit unseren Programmpartnern die neuen Häuser in einer Telefonkonferenz begrüßen. Dort erhalten sie die wichtigsten Informationen zum Start ihrer Arbeit sowie das nötige Grundlagenwissen.

Wie werden die Mehrgenerationenhäuser konkret inhaltlich und organisatorisch bei ihrer Arbeit unterstützt und begleitet?

Bereits im Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II haben sich viele Instrumente der Begleitung der Häuser bewährt. Diese Instrumente, wie die MGH-Website (www.mehrgenerationenhaeuser.de) unter anderem mit allen erforderlichen Dokumenten, aktuellen Informationen und einer Deutschlandkarte zur Häusersuche, die halbjährlichen MGH-Newsletter und zweimonatigen MGH-Infoletter wird es auch weiterhin geben. Des Weiteren halten wir an den sehr effektiven großen MGH-Telefonkonferenzen, dem Monitoring (auf Wunsch der Mehrgenerationenhäuser allerdings in „abgespeckter“ Form), den Rundmails und Befragungen zu spezifischen Fragestellungen fest.

Um uns persönlich kennenzulernen und auf die spannenden kommenden vier Jahre im Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus einzustimmen, findet am 9. März 2017 die Auftaktveranstaltung zum Bundesprogramm mit Vertreterinnen und Vertretern der alten und neuen Mehrgenerationenhäuser und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig in Berlin statt. Wir würden uns freuen, möglichst viele Häuser und Partner aus ganz Deutschland an diesem Tag begrüßen zu dürfen.

Gibt es Änderungen bei den Partnern, die für und mit dem Bundesfamilienministerium die Umsetzung des Programms begleiten?

Ja, die pme Familienservice GmbH sowie die Rambøll Management Consulting GmbH als Serviceagentur im Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II bzw. als wissenschaftliche Begleitung sind nicht mehr an Bord. An dieser Stelle möchte ich noch einmal ausdrücklich meinen Dank für die hervorragende Arbeit dieser beiden Partner aussprechen! Erhalten bleibt uns jedoch die für die Öffentlichkeitsarbeit im Programm zuständige Agentur neues handeln GmbH. Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) wird künftig nicht mehr nur die Förderung der Häuser betreuen, sondern mit einem eigenen Fachbereich auch für die fachlich-inhaltliche Begleitung und Beratung sowie das Monitoring der Häuser zuständig sein. Hinzukommen wird ein neuer Partner für die Evaluation des Bundesprogramms, welcher voraussichtlich zum 1. März seine Arbeit aufnimmt.