Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Praxisbeispiel Pretest-Mehrgenerationenhaus

Berlin-Lichtenberg: Das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus wird erprobt

Die Aufstockung des Haushaltstitels der Mehrgenerationenhäuser um 300.000€ für das Jahr 2016 ermöglichte es dem Bundesfamilieninisterium, die Eckpunkte des neuen Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus mit zehn neuen Mehrgenerationenhäusern in einem eigenständigen Modellprojekt vorzutesten.

Zehn Einrichtungen haben im Frühjahr 2016 als sogenannte Pretest-Häuser nach den neuen inhaltlichen Vorgaben ihre Arbeit aufgenommen und damit erprobt, welche Auswirkungen die Neuerungen auf die praktische Arbeit der Häuser haben. Eines davon ist das Stadtteilzentrum Kiezspinne in Berlin-Lichtenberg.
Das Stadtteilzentrum Kiezspinne ist kaum zu übersehen: In kräftigem Orange leuchtet die Fassade. Und genau so freundlich, wie es die bauliche Hülle verspricht, geht es drinnen zu. Schon seit 2005 ist die Kiezspinne das Zentrum für soziale und kulturelle Angebote im Berliner Bezirk Lichtenberg. Hinter der farbenfrohen Fassade engagieren sich verschiedenste Initiativen und Projekte für ein gutes Miteinander im Kiez. Im April 2016 kam ein weiteres bedeutendes Angebot dazu: Die Kiezspinne beherbergt seitdem auch eines der zehn Pretest-Häuser für das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus. Hier wird experimentiert, nachgedacht und ausprobiert, um Antworten auf die Fragen zu finden, die der demografische Wandel in Lichtenberg aufwirft.

Der Stadtteil im Osten von Berlin sieht sich mit Herausforderungen konfrontiert, denen auf unterschiedliche Weise begegnet werden muss, um einen lebenswerten Bezirk für alle zu ermöglichen: „Etwa jeder vierte Mensch in unserem Einzugsgebiet ist über 65. Zudem haben wir im Bezirk mehrere große Erstaufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete. Es gibt viele Leute, die alleine leben und kaum in das gesellschaftliche Leben eingebunden sind. Gleichzeitig gibt es viele Menschen, die gerade erst angekommen sind. All jene möchten wir abholen, um sie mit Menschen aus der Nachbarschaft zusammenzubringen.“ sagt Franziska Ruhnau, die Koordinatorin des Pretest-Mehrgenerationenhauses.

Das Mehrgenerationenhaus sieht Franziska Ruhnau als ein Puzzlestück von vielen im Bereich des sozialen Engagements, das im Bezirk gelebt wird. Schon unter dem Dach der Kiezspinne gibt es zahlreiche Berührungspunkte zu anderen Aktiven und Engagierten. Aber auch über das Stadtteilzentrum hinaus kooperiert das Mehrgenerationenhaus, um das Miteinander in Lichtenberg zu gestalten. So ist ein „Kreativtag der Generationen“ geplant, der im April 2017 zusammen mit dem „Theater der Erfahrungen“ aus Berlin-Schöneberg in der Kiezspinne stattfinden wird.

Das Haus arbeitet zudem eng mit der Bezirksverwaltung zusammen. Regelmäßige Abstimmungen sorgen dafür, dass man gegenseitig darüber auf dem Laufenden bleibt, was im Bezirk passiert und an welchen Ecken, ob im Haus oder außerhalb, Unterstützung benötigt wird: „Zunächst war zu klären: Welche Angebote gibt es schon? Wo werden weitere Angebote gebraucht? Und wie erreichen wir die entsprechenden Leute?“, erläutert Franziska Ruhnau das Vorgehen zum Start des Pretests.
An Interesse an den Angeboten im Haus mangelt es nicht: ob beim wöchentlichen Chor, in dem Einheimische und Geflüchtete gemeinsam singen und sich kennenlernen, oder im Literaturcafé – hier treffen Leute aus verschiedensten Lebenssituationen aufeinander. „Auch wenn viele Angebote in unserem Haus eher auf Erwachsene ausgerichtet sind, begegnen sich hier die Generationen“, sagt Franziska Ruhnau. „Beim Familiennachmittag treffen junge Familien mit Kindern auf die passionierte ältere Dame aus dem Kiez, die im feinsten Berlinerisch Geschichten vorliest. Es ist schön zu sehen, wie jüngere und ältere Augen zusammen um die Wette strahlen.“