Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

"Freiwilliges Engagement ist Hilfe auf kurzem Weg"

Ende 2006 wurde im Rahmen der Initiative des Bundesfamilienministeriums „Lokale Bündnisse für Familie" auch in der Stadt Kyritz ein Bündnis für Familie gestartet.  Darauf aufbauend hat die Stadt Kyritz das Mehrgenerationenhaus errichtet, um die zahlreichen bereits vorhandenen Angebote für jedes Alter zu bündeln und die Arbeit der verschiedenen Träger zu koordinieren. Heute ist das Mehrgenerationenhaus ein zentraler Anlaufpunkt für die Bewohner der brandenburgischen Kleinstadt. Im Interview spricht Bürgermeisterin Nora Görke über die Zusammenarbeit mit kommunalen Einrichtungen und die Chancen, die sich daraus für die Gemeinschaft ergeben.

Frau Görke, das Mehrgenerationenhaus Kyritz ist eines der 45 neuen Häuser im Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II. Träger des Hauses ist die Kommune. Warum unterstützen Sie als Kommune das Mehrgenerationenhaus?

Insbesondere im sozialen Bereich gab es in der Stadt Kyritz einige Defizite, denen wir begegnen mussten. Wir haben daher mit verschiedenen Vereinen gesprochen und nach einem Weg gesucht, wie wir die unterschiedlichen Angebote – wie beispielsweise Frauentreff oder Hausaufgabenhilfe – bündeln können. Dafür bot sich das Mehrgenerationenhaus als optimaler Ort an. Heute zeigt sich: Wir erreichen die breite Bevölkerung und kommen teilweise viel näher an die Bürgerinnen und Bürger heran, als Ämter oder Behörden dazu in der Lage sind. Das ist sowohl für die Kommune als auch für die Bewohnerinnen und Bewohner ein großes Plus, von dem beide Seiten nur profitieren können.

Kyritz ist eine Stadt mit knapp 10.000 Einwohnern. Welche Rolle übernimmt das Mehrgenerationenhaus vor Ort?

Unser Haus ist in erster Linie ein Kommunikationszentrum, aber auch ein Ort der Integration. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der Steigerung der Familienfreundlichkeit. Das ist übrigens auch das Markenzeichen der „Lokalen Bündnisse". Dafür sorgen im Mehrgenerationenhaus Kyritz etwa Projekte wie die „Familienoase", das den Austausch untereinander fördert und die Eltern bei der Bewältigung ihres Alltags unterstützt und entlastet. Außerdem werden Jugendfreizeiten angeboten, Nachhilfe oder der Treff „Gesunde Kinder" für Familien mit ganz jungem Nachwuchs. Das Spektrum ist sehr breit gefächert. Zusammengefasst heißt das: Das Haus fördert den Dialog unter den Bürgerinnen und Bürgern und bietet die Möglichkeit zu gegenseitiger Hilfe und Unterstützung im Alltag.

Warum ist freiwilliges Engagement so wertvoll für eine Kommune?

Freiwilliges Engagement ist – meiner Ansicht nach – Bürgerarbeit im besten Sinne des Wortes. Dort, wo die Behörden nicht aktiv werden, lässt sich über bürgerschaftliches Engagement viel erreichen. Die Leute identifizieren sich mit dem Ort und sehen zugleich, wo Lücken sind und Hilfe gebraucht wird. Der Einsatz dieser Menschen ist unheimlich wichtig für eine Kommune und kann von keiner Behörde ersetzt werden. Freiwilliges Engagement bedeutet Hilfe auf kurzem Weg.

Inwieweit profitieren Kommune und das Mehrgenerationenhaus Kyritz in der Praxis voneinander?

Dazu möchte ich ein Beispiel nennen: Bei uns in der Kommune gab es lange Zeit kein Angebot für Nachhilfe – dabei ist diese Unterstützung enorm wichtig für die schulische Entwicklung einzelner Kinder. Die Stadt konnte es aber nicht leisten. Wir haben uns daher mit dem Verein „Stattwerke e.V." zusammengeschlossen und konnten das Angebot im Mehrgenerationenhaus als feste Einrichtung installieren. Die Nachfrage ist so groß, und übertrifft alle unsere Erwartungen. Das ist nur eines von vielen Beispielen. Und es zeigt ganz deutlich, dass eben  auch „weichere" Standortfaktoren eine entscheidende Rolle spielen, das Leben innerhalb einer Kommune angenehm zu gestalten.

Wie sieht Ihr persönlicher Einsatz bezüglich der Kooperationen zwischen Mehrgenerationenhaus und Unternehmen, Institutionen und Vereinen der Region aus?

Als Bürgermeisterin nehme ich natürlich an vielen Veranstaltungen teil, bei denen Vertreterinnen und Vertreter der kommunalen Unternehmen und Institutionen vertreten sind. Ich bin also vor Ort, kommuniziere die vorhandenen Angebote des Mehrgenerationenhauses und zeige auf, wo Handlungsbedarf besteht und in welche Richtung wir uns als Kommune entwickeln müssen. In diesen Gesprächen merke ich immer wieder, wie notwendig eine umfangreiche Vernetzung ist. Mir ist wichtig, ein vielfältiges Angebot zu installieren, bei dem sich verschiedene soziale Träger beteiligen und die breite Bevölkerung angesprochen wird.

Welche Projekte planen Sie in naher Zukunft, um das Mehrgenerationenhaus noch besser in der Kommune zu integrieren?

Aktuell sind wir dabei, den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen, so dass das Mehrgenerationenhaus mit Bus und Bahn besser zu erreichen ist. Außerdem wollen wir das umliegende Gebiet insgesamt aufwerten – etwa den Spielplatz verschönern und einen größeren Parkplatz anlegen. Dafür stehen uns Mittel aus der Städtebauförderung zur Verfügung. Unser Hauptziel ist es, das Mehrgenerationenhaus Kyritz weiter in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken und die Leute auch aus den umliegenden Kommunen neugierig zu machen und zu uns einzuladen.

Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft des Mehrgenerationenhauses?

Ich wünsche mir, dass unser Mehrgenerationenhaus zu einem offenen Bürgerzentrum wird, von dessen Angebot sich alle Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Kyritz und Umgebung angesprochen fühlen. Es soll ein Ort der Kommunikation und Begegnung sein, wo Vorurteile keinen Platz haben und jeder das findet, was er sich wünscht.