Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Menschen aus Kriegsgebieten, Menschen in Not, Menschen, die unter Terrorherrschaft leiden, suchen Zuflucht bei uns. Und was tun wir? Weit unterhalb der Ebene deutscher und europäischer Flüchtlingspolitik kann jede und jeder etwas tun: Viele Menschen in Deutschland helfen, Flüchtlinge im Alltag und in unserer Gesellschaft willkommen zu heißen. Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten tragen dazu bei, Ängste und Vorurteile abzubauen. Aber vor allem sind sie wichtig für die Flüchtlinge, anzukommen ist um vieles einfacher, wenn man spürt: Ich bin willkommen – willkommen bei Freunden. Allen Menschen, die sich mit Flüchtlingen und für Flüchtlinge engagieren, gilt mein Respekt und herzlicher Dank.

Zu den Orten, die in Deutschland eine Willkommenskultur schaffen und mit Leben füllen, zählen die rund 450 Mehrgenerationenhäuser. Wie kreativ und konkret Mehrgenerationenhäuser in den Kommunen für Flüchtlinge aktiv werden, zeigt eine aktuelle Umfrage in den Häusern. Von Dialogveranstaltungen mit der Nachbarschaft über niedrigschwellige Sprachangebote für Flüchtlinge bis hin zur Unterstützung bei Behördengängen oder Angeboten zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten – die Vielfalt der Angebote ist groß.

Es gibt viele gute Beispiele, die zeigen, dass Mehrgenerationenhäuser als Orte des Zusammentreffens und des Austauschs den Weg zu einer Willkommenskultur ebnen können: Die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses in Rehau hat einen Bürgerdialog organisiert, um Unsicherheiten und offenen Fragen zu einem geplanten Flüchtlingsheim in der Stadt zu begegnen. Dabei fanden sich viele Freiwillige, die sich gerne für Flüchtlinge engagieren wollen. Für die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses in Cloppenburg ist Verständigung die Basis der Willkommenskultur. Aus diesem Grund bietet das Mehrgenerationenhaus Sprachkurse für Flüchtlinge an. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichten, dass sie sich durch die Sprachkurse leichter im Alltag zurechtfinden und vor allem, dass sie bereits Freundschaften mit Menschen in der Stadt schließen konnten.

Wie vielfältig die Flüchtlingsarbeit der Mehrgenerationenhäuser im gesamten Bundesgebiet ist, zeigen darüber hinaus die Beispiele aus Grimma in Sachsen, aus Halle an der Saale sowie aus dem nordrhein-westfälischen Troisdorf. Sie alle bieten den Raum für gemeinsame Aktivitäten, bei denen sich die Menschen begegnen und in den Austausch treten. Wie wichtig Begegnungen und Gemeinsamkeit sind, wird auch in den Interviews mit der Leiterin eines Übergangsheims im Landkreis Dahme-Spree, Claudia Wußow, und dem Ethnologen Professor Werner Mezger deutlich.

Eine offene Haltung haben, den Austausch befördern und gemeinsame Aktivitäten ins Leben rufen: Mehrgenerationenhäuser können das! Willkommen bei Freunden - das stellen sie jeden Tag unter Beweis, für Alt und Jung. Dass sie, ohne zu zögern, ihre Häuser für die Menschen öffnen, die bei uns Zuflucht gefunden haben, freut mich sehr. Wir brauchen diese Willkommenskultur. Ein Newsletter mit spannenden, interessanten, auch berührenden Geschichten: Ich wünsche viel Freude beim Lesen!

 

Ihre

Manuela Schwesig

Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend