Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Willkommenskultur ist eine innere Haltung

Seit Januar 2015 lernen Flüchtlinge gemeinsam mit Migrantinnen und Migranten, die schon länger in Cloppenburg leben, die deutsche Sprache in kostenlosen Kursen. Sechs Freiwillig Engagierte aus Cloppenburg haben dieses Kursangebot ins Leben gerufen und unterrichten zweimal wöchentlich die etwa 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus unterschiedlichen Herkunftsländern.

Verständigung als Basis von Willkommenskultur

Montags und donnerstags füllt sich das Mehrgenerationenhaus im niedersächsischen Cloppenburg mit einem Gewirr aus Stimmen unterschiedlichster Sprachen: Arabisch, Kurdisch, Spanisch, Niederländisch, Türkisch – das sind die Muttersprachen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Deutschkurses, der mittlerweile zweimal wöchentlich von sechs Freiwillig Engagierten in Cloppenburg angeboten wird.

„Ich lerne seit Januar Deutsch und habe schon zwei Freunde im Mehrgenerationenhaus gefunden", berichtet Muhammad Bakir, der seit Januar in Deutschland lebt. Esin Arslan, die seit drei Monaten in Cloppenburg wohnt, fügt noch hinzu: „Ich habe einige Leute kennengelernt und ein paar Freundschaften geschlossen. Bei meiner Ankunft hatte ich mehr Hilfe als erwartet."

Die Möglichkeit sich zu verständigen ist für Ilona Röpke-Jansen, die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses, die Basis dafür, dass man in einer Kultur ankommt und sich willkommen fühlt. „Sprache ist meiner Meinung nach der Grundstein jeder Kultur und eben auch der Willkommenskultur", meint die Koordinatorin. Die niedrigschwelligen Sprachkurse, die kostenlos besucht werden können, bilden daher aus ihrer Sicht eine gute Basis für das gegenseitige Verständnis. Die aktuellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sprachkurses nutzen momentan noch wenige andere Angebote des Mehrgenerationenhauses, dies wird sich nach Einschätzung von Frau Röpke-Jansen aber sicher bald ändern. „Die meisten fühlen sich in der deutschen Sprache jetzt noch nicht sicher genug, um auch an unseren anderen Aktivitäten teilzunehmen", erzählt sie. „Die Sprachschülerinnen und -schüler bringen sich allerdings bereits selbst ins Mehrgenerationenhaus ein: Sie kochen und bringen Essen aus ihren Herkunftsländern mit, sodass alle Nutzerinnen und Nutzer des Hauses einen Eindruck von ihrer Kultur bekommen können."

Willkommenskultur heißt Begegnung auf Augenhöhe

Ilona Röpke-Jansen versteht unter dem Begriff Willkommenskultur vor allem eine innere Haltung, mit der man Menschen begegnet. „Dabei ist es meiner Meinung nach wichtig, dass man nicht in eine bevormundende Rolle rutscht, sondern den Menschen auf Augenhöhe begegnet", sagt sie. Dazu gehört im Mehrgenerationenhaus in Cloppenburg auch die Möglichkeit, sich selbst zu engagieren und sich mit der eigenen Herkunft und Kultur einzubringen. „Jemanden willkommen zu heißen bedeutet eben, sie oder ihn mit der gesamten Lebensgeschichte anzunehmen", so Röpke-Jansen.

Als Willkommensgeschenk haben alle Sprachkursteilnehmerinnen und -teilnehmer zu Beginn des Kurses ihr persönliches Schreibset erhalten, das sie zu den Deutschstunden nutzen können. „Diese kleine Geste hat schon recht viel ausgemacht", sagt Frau Röpke-Jansen. „Das eigene Arbeitsmaterial, das eben zum Kurs dazu gehört, wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gerne benutzt und sehr geschätzt. Alle sind im Unterricht mit vollem Ernst bei der Sache, arbeiten mit und sind sehr interessiert – wir mussten das Sprachangebot ja auf Drängen des Kurses schon auf zwei Termine pro Woche ausweiten", so Röpke-Jansen weiter.

Ausweitung der Angebote für Flüchtlinge geplant

Ilona Röpke-Jansen möchte das Angebot für Flüchtlinge noch weiter ausbauen. Mit der Unterstützung von Freiwillig Engagierten und durch die sehr gute Kooperation mit der Stadt Cloppenburg und den dort ansässigen Schulen, dem Sozialdienst katholischer Frauen, sowie den anderen caritativen Einrichtungen der Stadt ist hier auch schon einiges angestoßen und umgesetzt worden: Einige Cloppenburgerinnen und Cloppenburger haben einen Fahrdienst eingerichtet und holen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sprachkurses ab, die etwa 15 km entfernt wohnen und die Kurse mit öffentlichen Verkehrsmittel nicht erreichen können. In der „AntragStelle" können sich alle Hilfe holen, wenn es um das Ausfüllen von behördlichen Papieren und Formularen geht.

Familien mit Schulkindern haben die Möglichkeit die Hausaufgaben- und Nachhilfeangebote zu nutzen und seit längerem trifft sich im Mehrgenerationenhaus eine Mädchengruppe, zu der auch Flüchtlinge und Migrantinnen herzlich willkommen sind. Die Mädchen tauschen sich hier untereinander aus und können sich zu vielfältigen Fragestellungen beraten lassen. Ilona Röpke-Jansen möchte die Angebote, die sich stärker an weibliche Flüchtlinge richten, weiter ausbauen. Sie kann sich auch vorstellen, Familienpatenschaften zu begründen, um die Familien im Alltag ganz konkret und direkt unterstützen zu können.